Indiecon Summer School 41-43

Indiecon 2015 – Fünf Tage, ein Magazin

Manche Geschichten erzählt man am besten von hinten. Diese fängt deshalb mit dem Produkt an: „41–43“ ist das erste Magazin aus dem Oberhafen, Rapid-Publishing-Projekt und Ergebnis der ebenfalls ersten Indiecon Summer School. Hier kann man es bestellen.

Das Heft ist in nur fünf Tagen entstanden, durch die Ideen und die Energie von 22 jungen Menschen, die gerade Design, Journalismus, Fotografie, Illustration oder Kunst studieren. Begleitet wurde das Projekt von Sebastian Pranz, Klaus Neuburg und Fabian Weiß, es ist Teil ihrer Reihe „Publish Yourself!“.

Das Magazin berichtet über Arbeiterinnen und Künstler, Besucher und Nachbarn im Oberhafen. Es erzählt aus dem Alltag der Punk-WG unter der Brücke nebenan und sucht die Brutstätten des Leguan-Manns. Die Macherinnen und Macher spinnen Anekdoten und Legenden weiter und orakeln den Ausgang der hamburgischen Olympia-Bewerbung anhand eines Bildbandes aus dem Müllcontainer. Einen kleinen Blick in die Redaktion gewährt dieser Film. „41–43“ hat die Stärken und Schwächen eines schnellen Produktes. Ein paar Tippfehler und überzählige Leerzeichen, der ein oder andere verschwurbelte Satz, zum Teil etwas arg verrätselte Grafiken.

Dafür spürt man auf jeder Seite den Beat des Heftes und das Momentum der Produktion. Das Magazin bannt mit seinem schnellen Rhythmus die Zögerlichkeit und das gekünstelt Verkopfte, das viele Studienprodukte an sich haben. Es zeigt Mut in vielen Facetten: Den Mut über Zäune zu klettern und mit Menschen zu reden, die sonst keiner fragt. Den Mut ein Stilmittel durchzuziehen, auch wenn es ein Leser vielleicht nicht direkt versteht (und auch wenn einem die langgezogenen Buchstaben beim Lesen Tränen in die Augen treiben).

Die enge Kollaboration von Gestaltern, Journalisten, Fotografen, Illustratoren – sie wird sichtbar in der Vielfalt und Qualität der Inhalte. Die Bilderserien und Reportagen zeugen von hervorragender Beobachtungsgabe, viele der kleinteiligen Strecken überraschen mit Experimentierfreude und Erfindungsgeist. Durch das gesamte Heft zieht sich – trotz der ungestümen Produktionsweise – eine Klugheit und eine tiefe Menschlichkeit. Das Gefühl für den richtigen Ton kennt man auch aus anderen Publikationen, an denen die Redaktionsleiter Sebastian, Klaus und Fabian mitwirken – wie dem Magazin Froh!.

Im ersten Vorschlag für das Editorial hat Sebastian den Erfolg des Projektes der „unsichtbaren Kraft“ auf dem Oberhafen zugeschrieben, die angeblich auch Neonröhren zum Flackern bringt. Das mag ein entscheidender Faktor gewesen sein. Es gibt aber auch eine ganz reale Kraft am Oberhafen, die wir während der anstrengenden Tagen in hohem Maß erfahren haben: Eine grundlegende Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die den meisten Oberhafen-Bewohnerinnen und -Bewohnern zu eigen ist.

Deshalb enden wir jetzt mit dem Wichtigsten: Danke an alle, die dabei waren! An unsere grandiosen Nachbarn auf dem Oberhafen, die uns ihre Arbeits– und Kühlräume ausgeliehen haben. An die FH Münster, die Uni Hamburg und message, die HAW und die HFKB für die weitere Ausbildung so hervorragender Menschen. An Geese und Kettler für die Unterstützung bei der Produktion.

Und danke an euch – Jennifer, Linna, Christina, Paul, Katharina, Philipp, Patricia, Margaux, Moritz, Simone, Lea, Max, Philipp, Timo, James, Sebastian, Regine, Shuchang, Kim, Imke, Petra, Janne – für eure großartige Arbeit – und dafür, dass wir jetzt ein Geschenk für den Paketboten haben. Er leidet wohl am meisten unter „41–43“, unmöglich, dass so ein Riesengelände nur zwei Hausnummern hat …

 

Foto: Malte Spindler
Renderings: 41–43