Indiecon 2015 – Rotierende Affen, Gummischläuche und 161 Fans

Wann hat die indiecon eigentlich angefangen? Im Rückblick schwer zu sagen. Für Malte und mich hat sie irgendwann im Dezember begonnen, wir hockten eingepfercht im alten Büro – drei Schreibtische, zwölf Quadratmeter – zwischen den Kisten mit Magazinen und Programmheften aus dem letzten Jahr. Das Stammhirn wusste schon: Wir müssen das wieder machen. Aber weil der „Bock“ die Angst vor dem monströsen Aufwand noch nicht überwiegen konnte, wehrte sich das Bewusstsein  gegen die Erkenntnis.

Wir haben dann erstmal Förderanträge geschrieben, Martin, Malte und Philipp dachten „nur mal so“ über die Gestaltung für das kommende Jahr nach, und natürlich schielten wir alle auf die neuen Hefte, die zwischenzeitlich erschienen. In den Monaten danach haben wir dann viele Hände geschüttelt und so oft erklärt, was die Indiecon ist und warum die Welt sie braucht, dass Malte die Kassette auch nach fünf Bieren noch abspulen konnte. Da war das Programm für die Fachkonferenz im Kopf schon so gut wie fertig. Es gab eine Indiecon Summer School mit Studierenden aus Journalismus, Design, Kunst, die gemeinsam ein Heft machen. Es gab eine öffentliche Veranstaltung, die „#indiemagday“ hieß.

Es gab leider noch nichts davon in echt und auch keinen „Best Case“ oder Erfahrungswert, und es gab noch keine Mark auf dem Konto.

Am 28. Februar standen Malte und ich bei der Qved in München auf der Bühne und haben ein Datum verkündet. Wir hatten gerade ein Video mit einem rotierenden Affen auf unsere Website geladen und wollten das unbedingt zeigen, aber das war noch nicht genug und außerdem fragen die Leute immer nach der Indiecon. Also ein Datum! Die große Verkündung hat bis heute im Netz genau 161 Leute interessiert. Aber für’s Gefühl war die Sache damit auf dem Weg: Es gibt wieder eine Indiecon, es ist da draußen, kein Zurück mehr jetzt.

Ziemlich genau sechs Monate später knien vor unserem neuen Büro zwei Jungs auf dem Kopfsteinpflaster; sie saugen mit Mund und Gummischlauch Diesel aus dem Tank eines Transporters, um den Generator für mobile Projektionen anzutreiben. Auf der Mailbox ist eine Nachricht von Köchin Nicole, die schimpft, dass der Kühlwagen stinkt als hätte jemand darin Tiere gehäutet. Im Nebenraum blitzt es, in der improvisierten Hohlkehle aus Tonkarton baumelt eine Banane über einem Plastiknetz. Magazinkisten, Büromaterial, Einrichtungsgegenstände haben die studentischen Fotografinnen und Fotografen aus der Indiecon Summmer School sehr gewissenhaft an den Wänden hochgestapelt.

Kein Zurück mehr jetzt. Es ist wieder Indiecon!

 

In ein paar Tagen geht’s weiter mit Gästen von Überall, ostfriesischen Gerüstbauern und U-Turns auf der Reeperbahn.

Foto: Malte HM Spindler